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Das sind die Steueränderungen 2024

Ab dem 1. Januar 2024 treten einige steuerliche Änderungen in Kraft. Hier findest Du die wichtigsten Steueränderungen für 2024 im Überblick und erfährst, wie sie sich auf Deine Steuererklärung 2024 auswirken.

Hinweis

Dieses Jahr dauert es etwas länger: Wegen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 15. November 2023 zum Nachtragshaushalt 2021 gibt es nicht nur Verzögerungen beim Bundeshaushalt 2024, sondern auch beim Jahressteuergesetz 2023. Es wird voraussichtlich erst im Januar 2024 verabschiedet. Der Entwurf zum Wachstumschancengesetz enthält ebenfalls viele steuerliche Änderungen, wurde aber vom Bundesrat zunächst in den Vermittlungsausschuss verwiesen.

Doch einige Steueränderungen für 2024 stehen definitiv fest. Wir ergänzen die Auflistung, sobald die weiteren Steueränderungen für 2024 verabschiedet wurden!

Das sind die steuerlichen Änderungen 2024:

Arbeitnehmer-Sparzulage: Einkommensgrenze wird angehoben

Die Einkommensgrenze für den Anspruch auf Arbeitnehmer-Sparzulage wird ab dem 1. Januar 2024 verdoppelt: Bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 40.000 Euro (Einzelveranlagung) bzw. 80.000 Euro (Zusammenveranlagung) kannst Du die Zulage in Deiner Steuererklärung beantragen. Dadurch erweitert sich der Kreis der Anspruchsberechtigten um etwa 14 Millionen Beschäftigte.

Die Arbeitnehmersparzulage ist ein staatlicher Zuschuss zu vermögenswirksamen Leistungen, die Du mit Deinem oder Deiner Arbeitgeber:in vereinbarst.

Grundfreibetrag wird erhöht

Der steuerliche Grundfreibetrag sichert das Existenzminimum und wird jährlich erhöht. Zum 1. Januar 2024 steigt der Grundfreibetrag um 696 Euro auf 11.604 Euro. 2023 betrug er 10.908 Euro. Erst Einkünfte darüber hinaus werden versteuert, beginnend mit einem Eingangssteuersatz von 14 %. Für Ehepaare mit gemeinsamer Steuererklärung gilt immer der doppelte Grundfreibetrag, also 23.208 Euro.

Einkommensteuertarif wird angepasst

Um den Effekt der kalten Progression abzumildern, werden die Eckwerte des Einkommensteuertarifs jährlich verschoben. 2024 werden sie um 6,3 % angehoben. Der Spitzensteuersatz greift 2024 also bei einem Jahreseinkommen von 66.761 Euro (2023: 62.810 Euro). Nur der Höchststeuersatz (“Reichensteuersatz”) beginnt weiterhin bei einem Jahreseinkommen von 277.826 Euro.

Als kalte Progression bezeichnet man den Umstand, dass Steuerpflichtige durch eine Einkommenserhöhung, die eigentlich die Inflation ausgleichen soll, mit einem höheren Steuersatz besteuert werden. Das deutsche Steuersystem ist nämlich progressiv: der Steuersatz steigt mit dem Einkommen. Ohne Anpassung der Eckwerte würde das höhere Einkommen verpuffen.

Höchstbetrag für absetzbare Unterhaltszahlungen steigt

Unterhaltszahlungen für Ex-Ehepartner:innen oder bedürftige Personen (zum Beispiel erwachsene Kinder ohne Kindergeldanspruch) kannst Du entweder als Sonderausgaben oder als außergewöhnliche Belastungen steuerlich absetzen. Dabei gelten unterschiedliche Höchstbeträge: Der Abzug als Sonderausgaben ist bis zu 13.805 Euro möglich. Der Abzug als außergewöhnliche Belastungen ist an den Grundfreibetrag gekoppelt. Er steigt also von 10.908 Euro (2023) auf 11.604 Euro (2024). In beiden Fällen kannst Du zusätzlich Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung absetzen.

Achtung: Der Sonderausgabenabzug ist nur für Ex-Ehepaare möglich.

Kinderfreibetrag wird erhöht

Die Kinderfreibeträge bestehen aus zwei Komponenten:

  • Kinderfreibetrag und
  • Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf (kurz: BEA)

Der Kinderfreibetrag steigt zum 1. Januar 2024 um 360 Euro auf nun 6.384 Euro. Pro Elternteil beträgt er also 3.192 Euro. Inklusive BEA steigt der gesamte Kinderfreibetrag 2024 auf 9.312 Euro. Das Kindergeld bleibt weiterhin bei einheitlich 250 Euro pro Kind.

Pflegegeld & Pflegesachleistungen werden erhöht

Wer mindestens Pflegegrad 2 hat und von Angehörigen, Freunden oder Ehrenamtlichen gepflegt wird, hat Anspruch auf Pflegegeld. Das Pflegegeld ist nach Pflegegrad gestaffelt und wird monatlich von der Pflegekasse an die Versicherten ausgezahlt.

Wer sich nicht von Angehörigen, sondern von einem ambulanten Pflegedienst pflegen lässt, hat statt des Pflegegeldes Anspruch auf Pflegesachleistungen. Es gelten dieselben Voraussetzungen. Beide Leistungen sind steuerfrei und werden zum 1. Januar 2024 erhöht:

Pflegegrad Pflegegeld Pflegesachleistung
Pflegegrad 2 332 Euro (bislang 316 Euro) 761 Euro (bislang 724 Euro)
Pflegegrad 3 573 Euro (bislang 545 Euro) 1.432 Euro (bislang 1.363 Euro)
Pflegegrad 4 765 Euro (bislang 728 Euro) 1.778 Euro (bislang 1.693 Euro)
Pflegegrad 5 947 Euro (bislang 901 Euro) 2.200 Euro (bislang 2.095 Euro)

Achtung: Pflegst Du Angehörige und beantragst dafür den Pflegepauschbetrag? Dann darfst Du von der gepflegten Person kein Pflegegeld als Gegenleistung erhalten. Du darfst höchstens Pflegegeld für die Person verwahren, um ihr dafür Hilfeleistungen o.ä. zu kaufen.

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Gastronomie: Mehrwertsteuer für Speisen wieder bei 19 %

Um die Gastronomie in der Corona-Pandemie zu entlasten, galt von Juli 2020 bis Ende Dezember 2023 ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz für Speisen. Zum 1. Januar wird er von bislang 7 % wieder auf den regulären Mehrwertsteuersatz von 19 % angehoben.

Mindestlohn & Minijob-Grenze steigen

Die Bundesregierung folgt dem Beschluss der Mindestlohnkommission: Zum 1. Januar 2024 steigt der gesetzliche Mindestlohn von bisher 12 Euro auf 12,41 Euro pro Stunde. Ab dem 1. Januar 2025 soll er auf 12,82 pro Stunde steigen.

Parallel steigt auch die Verdienstgrenze für Minijobs von 520 Euro auf 538 Euro im Monat.

Freigrenze für Soli wird erhöht

2021 fiel der Solidaritätszuschlag nach 30 Jahren für 90 % der Steuerpflichtigen weg. Wer mit seiner jährlichen Steuerlast die Freigrenze überschreitet, muss jedoch weiterhin Soli zahlen. Diese Freigrenze wird zum 1. Januar 2024 von bisher 17.543 Euro auf nun 18.130 Euro erhöht. Bei Zusammenveranlagung wird die Freigrenze verdoppelt.

Energie

CO2-Preis steigt

Eine Tonne Heizöl, Gas und Sprit kostet ab Januar 45 Euro. 2023 wurde der Preis wegen der Energiekrise nicht erhöht und blieb bei 30 Euro pro Tonne. Tanken und Heizen werden ab 2024 also teurer. Der Anstieg des CO2-Preises soll Anreize schaffen, auf klimafreundliche Brenn- und Kraftstoffe umzustellen.

Strom- und Gaspreisbremse laufen aus

Die staatlichen Zuschüsse für Strom und Gas laufen zum 1. Januar 2024 aus. Sie enden somit 3 Monate früher als noch im November beschlossen. Die Energiepreisbremse wurde wegen der Energiekrise zum 1. März 2023 eingeführt und deckelte den Strompreis bei 40 Cent pro Kilowattstunde und den Gaspreis bei 12 Cent pro Kilowattstunde.

Dezemberhilfe 2022 wird steuerfrei

Wegen der massiv gestiegenen Gaspreise hat die Bundesregierung 2022 den Dezember-Abschlag für Gas und Wärme übernommen. Damit wurden Privathaushalte sowie kleine und mittelständische Unternehmen entlastet. Eigentlich sollte diese Soforthilfe versteuert werden. Nun hat der Bundestag beschlossen, dass die Soforthilfe nicht versteuert werden muss.

Abgabefrist 2024

Wenn Du verpflichtet bist, eine Steuererklärung abzugeben, gelten folgende Fristen:

  • Steuererklärung für 2023: Abgabe bis 02.09.2024
  • Steuererklärung für 2024: Abgabe bis 31.07.2025

Weitere geplante Steueränderungen

Das Wachstumschancengesetz und das Kreditzweitmarktförderungsgesetz enthalten weitere Steueränderungen, die aber noch diskutiert und beschlossen werden müssen. Unter anderem sind diese Änderungen geplant:

Altersentlastungsbetrag sinkt langsamer

Der Altersentlastungsbetrag ist ein Steuerfreibetrag, den Steuerpflichtige ab 64 Jahren für ihre voll steuerpflichtigen Einkünften erhalten. Zur Berechnung gelten ein festgelegter Prozentsatz sowie ein jeweiliger Höchstbetrag, die jährlich um 0,8 % sinken. Ab 2023 soll der Prozentsatz nur noch um 0,4 % jährlich sinken. Der Höchstbetrag verringert sich ab 2023 also jährlich um 19 Euro statt wie bisher um 38 Euro.

Reform der Rentenbesteuerung

Zur Vermeidung der doppelten Rentenbesteuerung plant die Bundesregierung, Renten schrittweise erst ab 2058 statt ab 2040 voll zu besteuern. Dafür soll ab 2023 der Besteuerungsanteil der Renten jährlich nur noch um 0,5 % statt 1 % steigen. Wer 2023 in Rente geht, muss also 82,5 % der Rente versteuern (statt 83 %).

Freigrenze für geringe Mieteinkünfte & private Veräußerungsgeschäfte

Für Mieteinkünfte soll eine Freigrenze eingeführt werden. Liegen die gesamten Mieteinkünfte nicht über 1.000 Euro im Jahr, sollen sie steuerfrei bleiben.

Parallel soll auch die Freigrenze von 600 Euro für private Veräußerungsgeschäfte auf 1.000 Euro angehoben werden.

Verpflegungspauschale soll angehoben werden

Wenn Du als Arbeitnehmer:in beruflich unterwegs bist (nicht an Deiner ersten Tätigkeitsstätte) hast Du Anspruch auf eine Pauschale für Verpflegungsmehraufwand. Wenn Du mehr als 8 Stunden unterwegs bist, erhältst Du 14 Euro, ebenso wie für An- und Abreisetage. Für mehr als 24 Stunden Abwesenheit erhältst Du 28 Euro. Ab 2024 soll die Pauschale auf 16 Euro bzw. 32 Euro angehoben werden.

Änderungen für Unternehmen und Unternehmer:innen

Abschreibungen

  1. Unternehmen sollen bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die zwischen dem 1.10.2023 und dem 31.12.2024 angeschafft oder hergestellt werden, wieder degressiv abschreiben können. Das war Corona-bedingt auch in 2020, 2021 und 2022 möglich.

  2. GWG-Grenze: Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bis 800 Euro pro Wirtschaftsgut können sofort abgeschrieben werden. Ab 2024 soll die Grenze auf 1.000 Euro angehoben werden.

  3. Bei Sammelposten dürfen die Kosten für die einzelnen Wirtschaftsgüter bislang nicht über 1.000 Euro liegen. Sammelposten wurden bislang über 5 Jahre abgeschrieben. Neu: Die Grenze für die einzelnen Wirtschaftsgüter soll auf 5.000 Euro angehoben werden; die Abschreibungsdauer soll künftig nur 3 Jahre betragen.

Umsatzsteuererklärung & Umsatzsteuer-Voranmeldung

Wenn Deine Steuern als Unternehmer:in im vorangegangenen Jahr nicht mehr als 2.000 Euro betragen haben, sollst Du künftig keine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben und auch keine Vorauszahlung entrichten müssen. Bislang lag die Grenze für diese Befreiung bei 1.000 Euro.

Kleinunternehmer:innen sollen künftig von der Abgabe der Umsatzsteuererklärung befreit werden.

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